Lettland befindet sich auf dem Kreuzpunkt der westlichen und östlichen Kulturen, deshalb haben die bunten Wechselspiele der Geschichte hier die Abdrücke verschiedener Kulturen hinterlassen.

Die Traditionen der Vorfahren wurden immer schon hoch angesehen – die in der lettischen Folklore wurzelnde Kultur, die heute am besten bei den Feierlichkeiten des Johannisfestes und der grandiosen Gesang- und Tanzfestivals beobachtet werden können, als auch im Handwerk, in den von Museen organisierten Veranstaltungen und auch bei anderen Aktivitäten.

Liebhaber der Musik und Bühnenkunst  mögen die grossangelegten Opernfestivals in Riga und Sigulda, sowie die Fülle der verschiedenen Konzerte und Festivals.

Folklore und Traditionen

Lettland kann auf reiche volkstümliche Traditionen und Überlieferungen  der Folklore stolz sein, die man nirgendwo anders kennenlernen kann. Ein bedeutender Bestandteil  des lettischen Lebens sind solche spektakulären Traditionen wie die Johannisfeier, das Gesangs- und Tanzfest, seine Volkslieder (Dainas) und die Mythologie, Tragen von Volkstrachten und Tanzen der überlieferten Volkstänze.
In der lettischen Folklore besitzt jede Gottheit ihr eigenes Zeichen, das seinen Träger schützt oder Schönheit verleiht. Die Volkslieder, Märchen  und Sagen erzählen vom Leben der Vorfahren. Die Traditionen kommen am besten beim volkstümlichen Feiern der Sonnenwende oder Johannisfestes zum Ausdruck, beim Fastnachtlaufen der Wintersonnenwende oder im Februar beim Feiern der Masleniza und an Ostern beim Eierbemalen.
Alle drei Jahre findet in Lettland das internationale baltische Folklore-Festival "Baltica" statt, während dessen man mit eigenen Augen die alten Traditionen und Bräuche Lettlands und seiner Nachbarländer kennenlernen kann.
Die alten Traditionen in einer modernen Ausführung sind im Festival "Die Sonne des Baltikums" zu sehen, das dem Gedenken der Sonnenschlacht vo 1236 gewidmet ist. In diesem Festival in Riga finden verschiedene Aktivitäten statt, von Schwertkämpfen in authentischen Kostümen bis zu Konzerten der Ethnomusik.
Das allgemeine lettische Gesangs- und Tanzfest ist das grandioseste Ereignis im Kulturleben Lettlands, dass alle fünf Jahre in der Länge von einer Woche  Tausende  von Zuschauern und Zuhörern mitreißt. Der Ursprung des allgemeinen lettischen Gesangs- und Tanzfestes ist auf das Jahr 1864 zurückzuführen, als das erste Gesangsfest mit der Teilnahme von sechs Männerchören verlief, in dem geistige Lieder und lettische Volkslieder erklangen. Das häutige Gesangs- und Tanzfest, an dem Chöre und Tanzvereine aus ganz Lettland teilnehmen, ist in die Liste des mündlichen und immateriellen Kulturerbes der Menschheit  von der UNESCO aufgenommen worden.
Das nächste allgemeine lettische Gesangs- und Tanzfest wird im Jahr 2018 zur Ehrung des hundertsten Jubiläums der Unabhängigkeitserklärung  Lettlands ausgetragen.
Das typischste aller lettischen Feste ist das Johannisfest, verpasst es nicht, wenn in der Nacht vom 23. Juni auf den 24.Juni in fröhlicher Atmosphäre Jahrhunderte lange Traditionen geehrt werden.  Die Tradition des Johannisfestes begann als heidnisches Bauernfest schon lange vor dem Christentum und wird bis heute immer  noch geehrt. An diesem längsten Tag und kürzester Nacht des Jahres flechten Letten Kränze aus Eichenblättern und Wiesenblumen, unter Begleitung von lustigen Ligo- Liedern trinken köstliches Bier und essen dazu Kümmelkäse, tanzen und baden im Dampfbad bis zur Morgendämmerung!
Falls ihr um die Mittagszeit am 23.Juni in Lettland eine seltsame Belebtheit und einen aus der Stadt fließenden Fahrzeugstrom bemerkt, dann wisst ihr – die Letten begeben sich dahin, wo sie das Johannisfest feiern, das typischste und an verschiedenen lustigen Aktionen reichste lettische Fest des Jahres. Ihr könnt sicher sein, dass das am meisten besprochene Thema der Woche vor dem Fest ist– wo und wie das Johannisfest gefeiert wird.
Kein Gedanke wird daran verschwendet, das Fest eventuell nicht zu feiern!
Die Letten sagen oft: "es regnet wie am Johannistag", weil uns die Wetterverhältnisse an diesem Festtag gewöhnlich nicht verwöhnen. Trotzdem hält das niemanden vom Feiern und lustigem Zeitvertreib ab! Unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder der Regen wie aus Eimern vom Himmel gießt, die Letten werden in ihren Landhäusern feiern oder auch auf Partys im Freien tanzen, singen und sich freuen.

Es gilt, dass zur Sonnenwende gepflückte Kräuter magische, heilende Kraft besitzen. Die Räume werden zum Johannisfest mit Zweigen von Birken, Eichen und Vogelbeerbaum, mit Farn, Margaretenblumen und Rispengräsern geschmückt. An den Türen findet man oft Brennnesseln und Kletten, damit kein Übel über die Schwelle tritt.

 

 Eine sehr bekannte Tradition des Johannisfestes ist ein Sprung über das Lagerfeuer, um sich von allem Überflüssigen zu reinigen. Die Pärchen machen das, indem sie einander an der Hand halten, damit die magische Kraft des Feuers sie vereinigt.

 

 Man sagt, dass die Nacht des Johannisfestes die einzige Zeit des Jahres ist, wann man die geheimnisvolle Farnblüte sehen kann. Obwohl niemand sie bisher  gesehen hat, ist das für Pärchen eine gute Gelegenheit, sich zu zweit zu irgendeinem ruhigeren Ort davonzumachen.

 

 In der Johannisnacht darf man nicht schlafen gehen, bis die Sonne aufgeht. Am Morgen des Johannistages muss man durch den Morgentau waten, dann wird immer Geld in der Tasche sein. Die Frauen müssen mit dem Tau ihr Gesicht waschen, das soll sie noch schöner werden lassen.

Nationaloper und Ballett

Das prunkvolle Theaterhaus wurde im Jahr 1863 eröffnet, es wurde als Rigaer Stadttheater nach dem Entwurf des Architekten aus St. Petersburg Ludwig Bohnstedt gebaut. Ein großer Teil des Gebäudes brannte währen des Brandes im Jahr 1882 aus. Das Projekt für Rekonstruktion hat der Hauptarchitekt der Stadt Riga Reinhold Schmäling  entwickelt, indem er der Architektur von Ludwig Bohnstedt gefolgt ist.
Zur Verfügung der lettischen Operntruppe kam das Gebäude im Jahr 1919, im Jahr 1922 schloss sich der Operntruppe auch das erste professionelle Ballettensemble an.
Die Nationaloper und das Ballett Lettlands ehren die traditionellen Werte der klassischen romantischen Oper und des Balletts, doch es wird auch nach zeitgenössischen Ausdrucksformen gesucht. Jedes Jahr werden durchschnittlich fünf Oper- und Ballett-Neuinszenierungen  einstudiert.
In der Nationaloper und dem Ballett Lettlands haben schon viele weltberühmte Musikstars ihre Karriere begonnen: Der Dirigent Andris Nelsons, die Opernsänger  Kristīne Opolais, Elīna Garanča, Marina Rebeka, Aleksandrs Antoņenko, die in der Metropolitan Opera von New York und in den größten europäischen Opernhäusern auftreten. Die Gastkonzerte von diesen und auch anderen weltweit bekannten lettischen Opernstars auf der Bühne in ihrer Heimat wecken immer ein riesiges Interesse bei den Musikliebhabern.
In Riga ist der weltberühmte  Balletttänzer Mikhail Baryshnikov geboren, hier hat er zu tanzen angefangen. Im Jahr 2015 kehrte er in die Hauptstadt Lettlands zurück und trat auf die Bühne des Rigaer Neuen Theaters in der Aufführung von Alvis Hermanis "Brodsky/ Baryshnikov".
Zur Tradition im Abschluss der Saison von LNOB ist das Rigaer Opernfestival geworden, der die Neuinszenierungen der Saison und die besten Aufführungen der vorigen Jahre mit angesehenen einheimischen Sängern und ausländischen Stars bietet.
Im Sommer erwartet die Liebhaber der Opernmusik das Opernmusikfestival in Sigulda – hervorragende Sänger in Konzerten und einer einzigartigen Originalaufführung der Oper unter freiem Himmel.
Das Internationale Baltische Ballettfestival hat die ehemalige Prima-Ballerina der Nationaloper Lettland Lita Beiris gehegt. Jedes Frühjahr lädt das Festival dazu ein, die Auftritte der Balletttänzer und Choreographen von Weltklasse von der Klassik bis zur Avantgarde zu geniessen.